ABZ-Jahresbericht 2020

Stolz auf den Solidaritätsfonds

Ein Teil der Gelder aus dem ABZ-Solidaritätsfonds geht an die Vereinigung Schweiz-Vietnam. Deren Präsidentin Anjuska Weil will damit stabile Wohnhäuser für hilfsbedürftige Menschen bauen.

Frau Weil, Sie sind seit 1982 für die Vereinigung Schweiz-Vietnam tätig. Woher kommt dieses Engagement?

Ich gehöre der 68er-Bewegung an, in Italien auch Generazione Vietnam genannt. Seit ich 20 Jahre alt bin, war Vietnam für mich wichtig – und damit auch die Hilfe für das geschundene Land. Meine Eltern nahmen 1968 meinen vietnamesischen Bruder auf. Er hatte schwere Napalm-Verbrennungen. Den Krieg empfand ich auch deshalb als sehr nah. Meine Fingerspitzen wissen noch heute, wie sich Napalm-Verletzungen auf der Haut eines Kindes anfühlen.

Sie haben das Land bereist. Wie präsent ist der Vietnamkrieg heute?

In Tourismusregionen spürt man ihn wenig. Reist man jedoch tiefer ins Land, wird der Krieg präsenter – etwa durch Soldatenfriedhöfe, auf Familienaltären, wo junge Verstorbene zu sehen sind, in Kriegsmuseen, die das Geschehene dokumentieren. Auch gibt es immer wieder Opfer durch Blindgänger.

Wie leben die Menschen?

Viele leben noch in grosser Armut und können sich nicht aus eigener Kraft daraus befreien. Ihre Häuser sind einfach gebaut – aus Bambus, Bananenblättern und Plastik. Manche der traditionellen Stelzenhäuser sind baufällig und für ältere Leute ungeeignet. Wir wollen diese besonders verletzlichen und vom Krieg gezeichneten Menschen unterstützen.

«Ich bin stolz auf unseren Solidaritäts­fonds.»

Für zwei Projekte Ihres Vereins haben Sie 2019 und 2020 Gelder aus dem ABZ-Solidaritätsfonds erhalten. Warum ist diese Hilfe so wichtig?

Obschon eine beeindruckende Entwicklung stattfindet, bleibt noch viel zu tun. Wir möchten weiterhin die Armut und Kriegsschäden für die Menschen lindern. Mit dem Beitrag von 2019 konnten wir neun Häuser für Agent-Orange-Geschädigte bauen. Mit dem Geld von 2020 werden sechs neue Häuser gebaut und acht repariert. Damit verbessern wir die Wohnsituation von Behinderten und Kranken sowie deren Familien.

Wie reagieren die Begünstigten auf Ihre Hilfe?

Die Rückmeldungen sind von grosser Dankbarkeit geprägt. Nun in stabilen Wohnhäusern leben zu können, ist für diese Menschen ein grosser Gewinn an Lebensqualität.

Sie sind sowohl Präsidentin der Vereinigung Schweiz-Vietnam als auch ABZ-Mitglied. Was halten Sie als Genossenschafterin vom ABZ-Solidaritätsfonds?

Ich bin stolz darauf, dass die ABZ einen Solidaritätsfonds hat. Und ich habe mich sehr gefreut, als die Genossenschafterinnen und Genossenschafter 2018 das neue Solidaritätsfonds-Reglement genehmigten, das ihnen mehr Mitsprache bei der Vergabe der Gelder ermöglicht.

Aufgrund der Pandemie wurde die Vergabekonferenz online durchgeführt. Wie haben Sie das erlebt?

Positiv finde ich, dass rund 600 ABZ-Bewohnende an der Onlineabstimmung teilgenommen haben. Doch mir fehlten der Austausch und das solidarische Klima – der kurze Schwatz am Rande, die Gespräche zu den Projekten, die Diskussion der Beiträge. Es wäre schön, 2021 wieder zusammenkommen zu können.

Anjuska Weil wohnt in der ABZ-Siedlung Wiedikon und ist Präsidentin der Vereinigung Schweiz Vietnam. Seit über 50 Jahren setzt sie sich für hilfsbedürftige Menschen ein, die noch immer an den Folgen des längst beendeten Vietnamkrieges leiden.

Christine Plüer,
ABZ-Vorstands­mitglied

Christine Plüer wohnt mit ihrem Sohn in der Siedlung Entlisberg 2 und ist seit 2014 Vorstandsmitglied. Im Fokus ihrer Arbeit stehen partizipative Projekte, insbesondere die Mitwirkung auf Genossenschaftsebene und die Förderung von freiwilligem Engagement. Sie begleitete die Weiterentwicklung des ABZ-Solidaritätsfonds.