ABZ-Jahresbericht 2020

Eine grosse Herausforderung

ABZ-Präsidentin Nathanea Elte erklärt, warum es eine Herausforderung ist, die verschiedenen Ansprüche an unsere Genossenschaft unter einen Hut zu bringen. Und wie es trotzdem immer wieder gelingt.

Die ABZ will ökologisch sein und gleichzeitig günstige Wohnungen vermieten, ihrem Bestand Sorge tragen und wachsen. Ist das nicht widersprüchlich?

Es ist eine Herausforderung, den sozialen, ökologischen und ökonomischen Anforderungen gerecht zu werden. Nicht sanierte Wohnungen sind klar günstiger – dafür sind die Heizkosten sehr hoch. Bauen benötigt viel Energie, umfassend sanierte Wohnungen sind aber kaum günstiger als solche in Ersatzneubauten, die viel mehr Menschen Wohnraum bieten. Darum wägen wir sorgfältig ab und legen für jede ABZ-Siedlung eine individuelle Strategie fest.

Warum werden einige alte Siedlungen energetisch nicht saniert?

Wir haben uns zum Ziel gesetzt, 1520 Prozent unserer Wohnungen sehr günstig zu vermieten. Deswegen haben wir die Erneuerung einiger älterer Siedlungen nochmals hinausgeschoben. Trotzdem versuchen wir, ökologische Massnahmen umzusetzen: Die Bewohnenden der Ottostrasse beispielsweise können ihre Wohnungen neu mit 100 Prozent Biogas heizen, wenn sie wollen. Das ist natürlich eine Preisfrage, darum überlassen wir ihnen die Wahl.

Kann die ABZ das Ziel erreichen, null CO2 auszustossen?

Auch die ABZ muss und will dazu beitragen, den Ausstoss von CO2 zu verringern. Treibhausgase, die beim Bauen entstehen, lassen sich heute kaum vermeiden. Erst wenn CO2-neutrale Alternativen für Bauteile zu vertretbaren Preisen und in adäquater Qualität verfügbar sind, können wir dieses Ziel erreichen. Ich bin zuversichtlich, dass uns technische Innovationen und ein Überdenken unserer Ansprüche näher daran heranbringen.

«Es ist eine grosse Heraus­forderung, diesen Ansprüchen gerecht zu werden.»

Im vergangenen Jahr verbrachten wir viel Zeit in unseren Wohnungen. Sind die ABZ-Wohnungen nicht zu klein für Homeoffice?

Wir merken alle, dass es enger wird, wenn wir mehr Zeit zu Hause verbringen. Deswegen sind gute, funktionale Grundrisse so wichtig. Dank den nachbarschaftlichen Netzwerken unterstützen sich viele Bewohnende gegenseitig: Eine Familie betreut die Kinder der Nachbarn, damit die Eltern im Homeoffice arbeiten können. Und tags darauf wird gewechselt. Oder der Gemeinschaftsraum wird zum Büro, die Ateliers werden stärker genutzt. Diese Flexibilität zeichnet unsere Bewohnenden und unsere Architektur aus. Denn der Platz ist beschränkt: In der ABZ stehen im Schnitt rund 34 Quadratmeter pro Person zur Verfügung. Auch das ist nachhaltig.

Neue Wohnformen wie Clusterwohnungen, Micro-Co-Living oder Tiny Houses sind bei der ABZ kaum Thema. Warum eigentlich?

Die Idee der Tiny Houses ist bezüglich Wohnflächenverbrauch bestechend. Der Landverbrauch ist hingegen um ein Vielfaches höher als bei Mehrfamilienhäusern. Clusterwohnungen und Micro-Co-Living sind spannende Ansätze gemeinschaftlichen Wohnens in einer individualisierten Welt – aktuell noch Nischenprodukte, die wir interessiert verfolgen und projektspezifisch diskutieren.

Baut die ABZ nur grosse Siedlungen?

Grössere Neubauprojekte können wir gut und günstig bauen. Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Versorgung der Bevölkerung mit zahlbarem Wohnraum, aber auch zur Entwicklung attraktiver und belebter Quartiere. Den kleineren Siedlungen in unserem Bestand tragen wir aber Sorge, sie gehören zum breiten Wohnungsangebot und zur Identität der ABZ.

Nathanea Elte wohnt mit ihrer Familie in der Siedlung Regina- Kägi-Hof. Seit 2017 ist sie die Präsidentin der ABZ. Hier fotografiert in der Siedlung Ottostrasse, wo die Haushalte neu selbst wählen können, welchen Anteil an Biogas ihre Heizenergie aufweisen soll.